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Agile Organisation - ganz oder gar nicht - Teil 2

Das Utopiesyndrom - oder die perfekte Sabotage in Unternehmen

Kennen Sie das: Sie befinden sich in einem schon vollen Aufzug, die Tür geht auf und noch mehr Menschen drängen hinein. Spätestens dann schaut man doch mal sorgenvoll auf das Schild mit der maximal zulässigen Personenzahl und selbst wenn die erlaubte Personenzahl noch nicht ganz erreicht ist hat man schon ein mulmiges Gefühl … 

Ganz anders in Organisationen:
Da wird fast nie auf die maximale Belastbarkeit der Teams und Mitarbeiter geschaut, sondern eher noch ein Projekt zusätzlich in Auftrag gegeben und der Druck erhöht. Als würde auf diese Weise etwas tatsächlich schneller fertig. Tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall: Je mehr die Belastung über die tatsächliche Kapazität hinaus geht, desto schlimmer wird es.

Die Durchlaufzeiten schnellen exponentiell in die Höhe, der Arbeitsbestand im System wird immer höher und der Druck steigt immer weiter.

 

Das Phänomen hat auch einen Namen und ist mathematisch eindeutig bewiesen: Little´s Law oder die Warteschlangentheorie:

 

Jede Organisation, jedes Team hat eine ganz natürliche Grenze seiner Kapazität und kann auch nicht zu mehr als 100% ausgelastet werden. Das ist ein Naturgesetz, ob man will oder nicht. 

Trotzdem wird genau das immer wieder versucht und damit setzt man eine Spirale von negative Effekten in Gang, die alles nur noch schlimmer und langsamer macht – die Apokalypse der Überlast! Jeder halbwegs vernünftige Mensch weiss das eigentlich, aber trotzdem wird in Organistationen immer wieder so getan, als könnte man dieses Phänomen austricksen oder ignorieren. Man gibt sich gerne der Utopie hin, das vielleicht doch noch mal ein Wunder geschehen könnte … irgendwann, irgendwo, irgendwie …

Genau hier setzen agile Methoden an und das ist einer der entscheidenden Hebel: 

WiP Limit ist der Fachbegriff dafür und heisst nichts anderes als die Begrenzung der “work in process” auf die tatsächliche Kapazität im System:

Die Teams nehmen immer so viel Arbeit an, wie sie tatsächlich in einer Zeiteinheit leisten können.Die Wirkung ist enorm, der Durchsatz geht hoch, der Stress in den Teams geht runter, die Qualität verbessert sich signifikant

Eigentlich kein Hexenwerk - sollte man meinen. Aber in der Praxis ist das gar nicht so einfach zu realisieren. Die Dynamiken, Machtgefüge und Entscheidungswege in Organisation sabotieren gesunden Menschenverstand an der Stelle immer wieder. Wir erleben das eigentlich täglich in unseren Projekten, das das Prinzip sofort verstanden wird und man dem absolut zustimmt, aber im nächsten Satz heisst es trotzdem: “Aber das geht bei uns nicht!” Und dann kommen tausend Begründungen: Der Kunde, das Management, die Kollegen von der Nachbarabteilung und so weiter. 

Und das stimmt zunächst auch so, weil die Kultur und die Verhaltensmustern in der Organistion erstmal so sind, wie sie sind. Und hier gilt es anzusetzen, denn Agile Methoden sind nicht nur ein Tool für operative Projektabwicklung, sondern immer auch ein Herausforderung an die Unternehmens- und Führungskultur.  

Denn wenn es so einfach wäre, dann würden es alle schon lange so machen. 

Übrigens ist die Warteschlangentheorie auch genauso gültig für strategische Neuausrichtungen und Veränderungsprojekte. Auch hier wächst das Gras nicht schneller, wenn man dran zieht … 

Wir helfen Ihnen und begleiten Sie auf dem Weg in zu einem agilen Unternehmen, in dem wir den Veränderungsprozess wohldosiert mit Ihnen zusammen steuern und an Ihrer konkreten Situation und Kultur ausrichten. 

 

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